Lager und Gefängnisse waren schon immer Teil des Unterdrückungssystems, aber erst der Zweite Weltkrieg machte sie zu Orten der Vernichtung und des Völkermords in einem bisher unbekannten Ausmaß. In Küstrin gab es ein Kriegsgefangenenlager, eine Außenstelle des Konzentrationslagers Sachsenhausen und Arbeitslager. Kein Wunder also, dass in den Nachkriegsjahren in der Stadt mehrere Einrichtungen entstanden, die an das Martyrium und die Tragödien dieser Zeit erinnern.
Am 30. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Stalag III C Alt Drewitz, besuchten wir vier solcher Orte in Kostrzyn, wo wir mit Blumengestecken den Ermordeten, Ausgehungerten, Erschossenen und auf dem Boden von Küstrin zu Tode gequälten Menschen gedachten. Neben dem Stalag befand sich ein Denkmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem städtischen Friedhof, ein Stein für die Kriegsgefangenen des Stalags und der Zweigstelle des Konzentrationslagers am Kreisverkehr Zatorze sowie eine Gedenktafel für die Opfer der Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeitslager an der Wand des Gebäudes neben dem Eingangstor zur Firma Arctic Paper.
An diesem Tag nahmen wir auch an den Feierlichkeiten zur Befreiung des KZ Sonnenburg im benachbarten Słońsk teil, wo neben Bürgermeister Andrzej Kunt und dem Vorsitzenden des Stadtrats Marek Tatarewicz auch unsere Archäologin Julianna Sójkowska-Socha zur Delegation aus Kostrzyn gehörte. Es war ein Tag des Gedenkens an das tragische Schicksal unzähliger unschuldiger Kriegsopfer, ganz im Sinne der Worte von Zofia Nałkowska: „Menschen haben Menschen dieses Schicksal bereitet ...”





