Übergabe der Friedrich-Gedenktafel – Stellungnahme des Museums

Am vergangenen Wochenende verbreitete sich in den Online-Medien, darunter auch in den sozialen Netzwerken, die Nachricht, dass die Stadt Kostrzyn nad Odrą Feierlichkeiten zum Geburtstag Friedrichs des Großen organisiert habe, um dieses Ereignis mit der Enthüllung einer Gedenktafel zu würdigen, die dem König von Preußen gewidmet ist und ihn verherrlicht. Als Organisatoren dieser Veranstaltung dementieren wir diese unkritisch verbreiteten und völlig falschen Informationen.

Die Veranstaltung, die am Samstag, dem 24. Januar dieses Jahres, in der Altstadt von Küstrin stattfand, wurde ausschließlich anlässlich der Übergabe einer Gedenktafel (eigentlich eines Teils davon) organisiert, die 1993 nach Deutschland (in die Ortschaft Letschin) gebracht worden war und dem Aufenthalt von Kronprinz Friedrich in Küstrin in den Jahren 1730-1732 gewidmet war. Versuche, dieses Artefakt von historischem und sentimentalen Wert (so die Meinung des Denkmalschutzbeauftragten der Woiwodschaft) zurückzuerhalten, wurden bereits 2011 unternommen, blieben jedoch trotz verschiedener Maßnahmen, auch in den folgenden Jahren, erfolglos. Erst nach dem Tod der Person, in deren Besitz sich die Tafel in Deutschland befand, wurde die Übergabe möglich. Dazu trugen Vermittlungen mit den Erben des Verstorbenen und dem Bürgermeister der deutschen Gemeinde Letschin bei, mit der die Stadt Kostrzyn seit Jahren gutnachbarschaftliche Beziehungen aufgebaut hat. Nach jahrelangen Bemühungen konnte das Relikt nach Polen, nach Kostrzyn nad Odrą, zurückkehren.

Die Veranstaltung war ganz der Übergabe der Tafel gewidmet. In allen Reden wurde Friedrich der Große nur einmal erwähnt, als den Versammelten mitgeteilt wurde, welche Inschrift sich auf der Tafel befand. Der wichtigste Punkt des Programms war die Unterzeichnung des Dokuments über die Überggabe der Tafel durch die Erben und den Bürgermeister von Letschin auf der Seite der übergebenden Partei sowie durch den Direktor des Festungsmuseums und den Bürgermeister von Kostrzyn auf der Seite der empfangenden Partei. Zuvor wurde die Geschichte der Tafel selbst und die Bemühungen um ihre Rückgewinnung vorgestellt. Natürlich fand keine Enthüllung statt. Darüber hinaus wurde die Tafel selbst erst am Ende der Veranstaltung zu Dokumentationszwecken gezeigt. Auf dem übergebenen Fragment ist nicht einmal der Name des Königs von Preußen erhalten geblieben, wie auf den Fotos des wiedererlangten Tafelstücks zu sehen ist.

Die Person Friedrichs des Großen wurde während der gesamten Feierlichkeiten nur am Rande behandelt, es fiel kein einziges Wort über seinen Geburtstag. Der als Friedrich verkleidete Reenactor diente den Organisatoren lediglich als farbenfroher Hintergrund für die Veranstaltung, er ergriff nicht das Wort, wurde mit Vor- und Nachnamen als letzter der angekommenen und offiziell begrüßten Gäste vorgestellt und posierte anschließend für Fotos mit den Teilnehmern der Veranstaltung. Das war seine Rolle. Die Salutschüsse aus der historischen Kanone des Museums, die zur Belebung der Veranstaltung abgegeben wurden, galten weder dem echten noch dem dargestellten Friedrich. Die Reenactors der preußischen Artillerieeinheit treten seit 26 Jahren neben anderen Reenactment-Gruppen bei verschiedenen historischen oder mit Kostrzyn verbundenen Veranstaltungen auf, was vom Publikum stets sehr positiv aufgenommen wurde. Diesmal war es nicht anders. Es bedarf schon viel Böswilligkeit, um im Verlauf der Veranstaltung und in den Reden eine Verherrlichung Friedrichs des Großen zu sehen.

Bedauerlich ist nur, dass die Medienvertreter die falschen Informationen völlig unkritisch übernommen und anschließend weiterverbreitet haben, was zu vielen unüberlegten, ablehnenden Kommentaren geführt hat, die auf der falschen Darstellung einer Person basierten, die als Erste die unbegründeten Vorwürfe formuliert und in den Medien verbreitet hatte.

Zur Bestätigung unserer Position veröffentlichen wir die vollständige Rede des Direktors des Museums der Festung Kostrzyn, Ryszard Skałba, die den Anwesenden bei der Feier am 24. Januar dieses Jahres in polnischer und deutscher Sprache vorgetragen wurde. Wir laden Sie ein, diese zu lesen und sich selbst ein Urteil zu bilden.